Das Hugenottenkreuz
Aus einer Konfirmationspredigt
zum Hugenottenkreuz
Pfarrer Dieter Schindelmann
…Ich will heute über ein Zeichen predigen, das zu Frankenhain mit
seiner besonderen Geschichte gehört.
Das Hugenottenkreuz
Hugenotten – das muss man den
Auswärtigen erklären – sind kein afrikanischer Volksstamm, sondern
französische evangelische Christen, die wegen ihres Glaubens ihr
Heimatland verlassen mussten. Glaubensflüchtlinge aus Südfrankreich
haben dieses Dorf gegründet, und sie haben das Hugenottenkreuz als
Geheimund Erkennungszeichen mitgebracht. Ihren Kindern haben sie es
zur Konfirmation oder zur Hochzeit geschenkt. Bis heute ist das
Hugenottenkreuz ein sichtbares Bekenntnis zum evangelischen Glauben
geblieben. Dieses Kreuz möchte ich euch heute auch schenken. Vorher
will ich die Einzelheiten ein wenig erklären:
Das erste und größte Zeichen:
das Kreuz.
Ich hoffe sehr, dass es in der
Konfer rübergekommen ist, dass es sich lohnt, dem nachzufolgen,
dessen Zeichen das Kreuz ist: Christus.
Ich erinnere an eueren
Vorstellungsgottesdienst zum Thema: „Juden in Treysa“. Wir haben
miteinander entdeckt, welche Menschenverachtung und welche
Katastrophen entstanden sind, als man das Kreuz aufgab und dem
Hakenkreuz hinterherlief. Folgt ihr Christus, geht ihr auf seinem
Weg, läuft sicher nicht immer alles automatisch so, wie ihr es gerne
hättet. Leben ist nicht nur leicht und locker. Aber ich glaube: Auf
diesem Weg begegnet euch nichts, was Gott nicht mit gutem und tiefem
Sinn füllen kann.
Oft sind es ja die Kreuze, – die ich
selber tragen muss und anderen tragen helfe –, die mich voranbringen
und reifen lassen, als Mensch und als Christ. Dort, wo die
Kreuzesbalken zusammentreffen, waren ursprünglich Lilien abgebildet,
die Blumen des französischen Königshauses. Die Hugenotten haben dort
die Andeutung eines
Herzens
entdeckt. Sie haben gemerkt: Der
Glaube darf niemals nur Verstandessache sein, er muss zur
Herzensangelegenheit werden. Zum Glauben gehört es, dass man sich
bewegen lässt, für andere einzutreten. Zum Glauben gehören nicht nur
Worte, sondern Worte und Taten.
Unser Hugenottenkreuz hat eine
Besonderheit. Der Künstler hat eine
Dornenkrone
als Ring in die Mitte gelegt. Mit
einer „Krone“ aus Dornen hat man Christus gequält und verletzt. Die
Dornenkrone erinnert auch an die Frankenhainer Vorfahren, die wie
Christus Verfolgung, Folter und sogar Tod erleiden mussten, weil sie
von ihrem Weg nicht abwichen. Die Dornenkrone erinnert an Christen,
die lieber die Heimat aufgaben, als klein beizugeben und sich von
ihrem Glauben loszusagen. Manchmal erschreckt mich diese Konsequenz,
weil ich nicht weiß, ob ich so mutig und entschieden sein könnte.
Aber ich lasse mich ermutigen, ganze Sache zu machen, nicht jedem
nach dem Munde zu reden. Nicht nur darauf zu schielen, wie man am
besten durchkommt. Bettina Wegener hat einmal gedichtet:
„Klare, gerade Menschen wären ein
schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat haben wir schon so viel.“
Auf zwei Details möchte ich noch
hinweisen. An den Enden der Kreuzesbalken sehen wir Kreise, dies
sollen
Lichtknospen
sein, Hinweis auf Christus, der von
sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der
wird nicht im Finsteren wandeln, sondern das Licht des Lebens
haben.“
Die Ur-Frankenhainer haben darauf
vertraut, dass Christus ihnen Licht und Orientierung auf ihrem
schwierigen Weg schenkt. Ohne dieses Licht hätten sie vermutlich
nicht durchgehalten. Die Flucht ging zunächst in die Schweiz, dann
nach Hessen, nach Treysa, nirgendwo beliebt, sondern angefeindet als
Asylanten, überall benachteiligt und schließlich abgeschoben auf
einen kargen Berghügel, der einmal Frankenhain werden sollte. Wenn
es Menschen so ergeht, braucht man Orientierung und Halt.
Ich glaube, Licht, Orientierung und
Halt von Christus her brauchen wir heute ebenso. Auch wenn wir
besser dran sind als die Frankenhainer Vorfahren....
Ich bitte euch: Orientiert euch an
dem Licht dieser Welt, nicht an Leuchtreklamen dieser Zeit.
Schließlich das letzte Symbol –
die Taube:
Es erinnert mich an die
Sintflutgeschichte. Noah schickt eine Taube aus, um Zeichen des
Lebens auf der Erde zu entdecken. Als die Taube diese Zeichen
gefunden hatte, bekam Noah wieder Lebensmut und Hoffnung. Ich kann
verstehen, dass die Hugenotten die Taube als Zeichen mit Gottes
Geist sehen konnten, der Lebensmut und Hoffnung schenkt.
Liebe Konfirmanden und
Konfirmandinnen, nach einem schönen und guten Jahr Konfer tut es mir
richtig leid, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist. Ich hoffe und
wünsche für Euch, dass Ihr – in der Frankenhainer Tradition – dem
nachfolgt, der Leben eröffnet und dass das Hugenottenkreuz Euch
Orientierung schenkt.
Amen.
Quelle: Chronik des Hugenotten- und
Geschichtsverein Frankenhain e.V.